Bertelsmann Stiftung sieht Handlungsbedarf bei der Digitalisierung der beruflichen Ausbildung

Bertelsmann Stiftung sieht Handlungsbedarf bei der Digitalisierung der beruflichen Ausbildung

In ihrer Studie „Monitor Digitale Bildung – Berufliche Ausbildung im digitalen Zeitalter“ analysiert die Bertelsmann Stiftung eine umfassende empirische Datenbasis zum Stand des digitalen Lernens in verschiedenen Bildungssektoren. Im Mittelpunkt des ersten publizierten Berichts steht die berufliche Ausbildung.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Digitalisierung in der beruflichen Ausbildung bisher eher in Form einer verhaltenen Modernisierung statt einer breiten Innovation stattfindet. Hierdurch blieben Chancen für benachteiligte Gruppen ungenutzt und Innovation scheitertet oft an mangelnden Kompetenzen und Ressourcen. Veränderungen im Bereich des digitalen Lernens würden oft von jungen Auszubildenden und weniger von den Lehrkräften selber initialisiert. Insgesamt wird ein grosser Handlungsbedarf gesehen, wenn man die Chancen digitaler Berufsbildung voll nutzen wolle.

Darüber hinaus generiert die Studie einige interessante Erkenntnisse zu traditionellen Lernplattformen bzw. Lernmanagementsystemen (LMS) wie Moodle:

  • Gemäss der Befragung der Bertelsmann Stiftung setzen nur 12% der Lehrkräfte in Berufsschulen traditionelle Lernplattformen häufig ein.
  • Weitere 22% nutzen traditionelle LMS Systeme gelegentlich.
  • Ein Drittel der Berufsschulen (33 Prozent) und 44 Prozent der Betriebe nutzen kostenlose (Open-Source-) Lernmanagementsysteme.

Auch die Nutzung von Tablets im Unterricht wird durch die Studie untersucht:

  • Wird technisches Equipment wie Tablets an Berufsschulen zum Lernen eingesetzt, handelt es sich überwiegend um die privaten Geräte der Lehrer.
  • 42% aller Berufsschüler nutzen zwar ein privates Tablet für den Unterricht, Schulgeräte kommen jedoch nur in 7% der Fälle zum Einsatz.
  • Lediglich 16% aller Ausbilder nutzen Tablets für die Ausbildung.
  • Tablets werden vor allem in Pilotprojekten eingesetzt, mit steigender Nachfrage. Der Unterricht wird dadurch als interessanter und motivierender erlebt und es wird geschätzt, dass dadurch die Möglichkeit besteht, individueller und auch unterwegs zu lernen

Quelle: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/monitor-digitale-bildung/

Noch 45% aller deutschen Hochschulen ohne digitales Weiterbildungsangebot

Noch 45% aller deutschen Hochschulen ohne digitales Weiterbildungsangebot

Das Hochschulforum Digitalisierung ist eine gemeinsame Initiative des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft mit dem Centrum für Hochschulentwicklung und der Hochschulrektorenkonferenz.  In seiner Themengruppe „Neue Geschäftsmodelle, Technologien und Lebenslanges Lernen“ hat das Forum den Markt digitaler akademischer Weiterbildungsangebote untersucht. Im Detail geht die Themengruppe der Frage nach, ob, wie und in welchem Ausmaß die hochschulische Weiterbildung auf die Herausforderung der Digitalisierung mit neuen, digitalen Qualifizierungsangeboten und Formaten reagiert. Dazu wurden in einer umfassenden Recherche die Webpräsenzen von insgesamt 402 privaten und öffentlichen Hochschulen und Universitäten in Deutschland untersucht. Unter anderem kommt die Studie zu nachfolgenden Ergebnissen:

  • Aus dem untersuchten Sample haben 190 Hochschulen bzw. 47% ihre Weiterbildungsprogramme und Angebote digital unterstützt, ergänzt oder sogar ganz virtuell ersetzt.
  • Hingegen verfügen noch 182 Hochschulen bzw. 45% über kein digitales Weiterbildungsangebot.
  • Bei den Universitäten liegt der Anteil an Institutionen mit digitalem Angebot immerhin bei 66%, bei den Fachhochschulen verfügt mit 48% nur knapp die Hälfte über ein solches Angebot.
  • Hinsichtlich der digitalen Weiterbildung gibt es keinen systematischen Unterschied zwischen privaten und öffentlichen Hochschulen.
  • Der fachliche Schwerpunkt digitaler Weiterbildung liegt vor allem auf betriebswirtschaftlichen und MINT Themen.
  • Inhaltlich umfassen 25% des Angebotes Online-Services, d.h. die Veranstaltungen werden traditionell durchgeführt, werden aber bspw. durch den Einsatz von Lernmanagementsytemen (LMS) digital unterstützt. 12% verfügen über mindestens ein teildigitalisiertes Angebote (Webinare, WBTs, Videolectures, Social Media, E-Prüfungen) und lediglich 10% haben mindestens einen volldigitalisierten Kurs im Angebot und verzichten damit auf den klassischen Präsenzunterricht.

Quelle: Hochschulforum Digitalisierung. Arbeitspapier Nr. 30, Juni 2016: Ein Leben Lang Digitales Lernen. Neue Weiterbildungsangebote aus Hochschulen.